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Zusatzboxen für den Carvin BRX112NEO Combo
Jan Henke
05. Juni 2009
Vorwort
Nach jahrelanger Soundsuche und geschleppe von unhandlichem, tonnenschwerem Equipment (einige
E-Bass-Topteile, diverse Vor-und Endstufen, viele große Boxen), wollte ich endlich eine
kompakte und bei Bedarf erweiterbare E-Bass-Anlage. Den besten Sound hatte ich zuletzt mit
einer ziemlich stark färbenden EBS Neoline 2x12" Bassbox (damals um 1000,- €), die mit zwei
Eminence Neodym-Lautsprechern aus der ersten Deltalite-Generation bestückt war. Ziemlich teuer
für zwei Pappen und ein bisschen Holz - also eine alte H&K-Bassbox mit 2x Eminence Deltalite II
2512 umbestückt und das Ergebnis war hervorragend.
Obwohl ich bisher nie einen Combo-Amp besaß, juckte es mir plötzlich in den Fingern, als
ich den BRX112NEO der amerikanischen Firma Carvin das erste mal bemerkte. Der Combo vereint,
im Gegensatz zu Produkten anderen Hersteller, die meisten, für mich wichtigen Features in
einem Gehäuse. Angespielt, gekauft und nicht bereut!
- Eminence Deltalite II 2512 Speaker
- anständiger 1"-Hochtöner
- JFET-Vorstufe, Endstufe 2Ohm-stabil
- BiAmping integriert: 50W für Hochton
- sehr hohe Leistung mit bis zu 800W
- schwarzes Strukturlack-Finish statt Filz
- Bassreflex-Frontports
- Tilt-Back Monitor-Design
- tragbares Gewicht
Technische Daten Carvin BRX112NEO:
| Leistung (THD < 1%): | 800W @ 2Ohm 500W @ 4Ohm 300W @ 8Ohm |
| Leistung Hochton: | 50W @ 8Ohm (3kHz - 22kHz) |
| Frequenzgang: | 35Hz - 22kHz |
| Abmessungen (BxHxT in mm): | 424 x 542 x 456 (ohne Füße) |
| Gewicht: | 21kg |
Der Combo ist alleine schon ziemlich laut, allerdings bewegt ein einzelner 12"-Lautsprecher
natürlich nicht genug Luft für größere Bühnen. Also musste mehr
Membranfläche her! Wegen der vollen 2Ohm-Tauglichkeit lassen sich am Combo bis zu drei
weitere 8Ohm-Zusatzboxen parallel zum internen Lautsprecher betreiben, wenn das nicht
vielversprechend ist...
Konstruktion der Zusatzboxen
Die Lautsprecherfrage war geklärt, der Combo angeschafft. Die Zusatzboxen sollten natürlich
optisch und technisch passen, also war der Selbstbau schon beschlossene Sache. Zuerst wurden
Bassreflexöffnung, Rohrlänge und das Nettovolumen am Combo-Gehäuse abgemessen...
Bassreflex-Abstimmung:
| Reflexöffnung: | 50cm² (1/2 x 9,5cm x 9,5cm + Rundung) |
| Rohrlänge: | 14,5cm (mit Schallwand) |
| Anzahl: | 2 Stück |
| Brutto-Volumen: | 53l (lichte Innenmaße) |
| Netto-Volumen: | 46l (ohne Griffe, BR, Lautspr.) |
| BR-Abstimmfrequenz: | 53Hz |
Nach etwas Spielerei mit BassCADe und den eventuellen Abmessungen der Zusatzboxen,
wurde die Abstimmung deutlich - ein Würfelgehäuse, mit gleicher Außenbreite und
Tiefe wie der Combo, bietet wegen fehlender Monitor-Schräge etwas mehr Nettovolumen und
lässt die Chassis noch tiefer in den Basskeller spielen - perfekt!
Es wurde an den letzten Ideen und Details der CAD-Entwürfen gefeilt:
Frontansicht Schallwand:
Die Combo-Schallwand ist wegen des Hochtöners etwas höher als breit
(innenmaß 413 x 400mm), das war für die Zusatzboxen nicht nötig. Es bot sich
an, aus Gründen der Stabilität je eine Bassreflex-Öffnung in die Ecken der
Schallwand zu platzieren (für Esoteriker: Symmetrische Luftlast auf der Membran ;-).
Es wird 15mm Birkenmultiplex verwendet, der Combo besteht allerdings nur aus 12mm-Material,
daher muss die Sichtkante der Zusatzgehäuse ausgedünnt werden.
Spiegelschnitt:
Die neue Rohrlänge für den doppelten Bassreflexquerschnitt wurde auf 265mm festgelegt
und in die CAD-Konstruktionen übernommen. Ersichtlich ist aus dieser Perspektive
auch die Einfräsung des Lautsprechers, die 12mm-Sichtkante sowie die umlaufenden Leisten
zur Gitterbefestigung.
Draufsicht Gehäusedeckel:
Die Zusatzbox wird tiefer als der Combo selbst, Ursache sind die Abstände der
Gummifüße des Combos. Die Bohrungen im Deckel wurden so gewählt, dass der
Combo gekippt in die vier hinteren Sacklochbohrungen der Zusatzbox gestellt werden kann.
Schalengriffe hatten zwischen schrägen Bassreflex-Kanälen keinen Platz, daher wurde nur
ein einzelner Riemengriff auf der Oberseite vorgesehen. Im schwerpunkt zentriert, hat er
sich in der Praxis aufgrund des geringen Gewichts als ausreichend erwiesen.
Bassreflex-Öffnung:
Hier die dreieckigen Bassreflex-Ausfräsungen im Detail. Die erwähnte Ausdünnung der Sichtkante wird
noch interessant - keine Ahnung, wie ich das an der Stoßecke zwischen Deckel und Seitenwange
hinbekomme.
Ergebnis
Man kennt das - man hat große Pläne, kommt aber zu nichts - deshalb habe ich die Holzarbeiten und das
Strukturlack-Finish einem Spezialisten überlassen. Die Kommunikation hat hervorragend funktioniert
und alle Anbauteile wurden gleich mitgeliefert (unter anderem auch die pulverbeschichteten Schutzgitter),
das war wirklich eine stressfreie Umsetzung. Daher mit Danksagung und meiner Empfehlung zur Firma:
www.lautsprecherbau.com
Erster Kontakt:
Noch ungedämmt nimmt ein Chassis zum Testhören Platz. Wie wird es klingen?
Die ersten Töne sind schonmal passabel, der Tiefbass ist welten besser als beim Combo
(ist die Bassreflex-Fläche schuld?), der Mittenbereich dröhnt erwartungsgemäß noch ein
bisschen zu stark.
Dämmung:
Gedämmt wird mit 5cm starkem Noppenschaum, flächig mit Pattex auf dem Holz verklebt:
Quadratisch auf der Gehäuse-Rückwand und als 25cm breite Bahn rund um das Chassis, an der
Innenschräge der Bassreflexkanäle entlang.
So klingt es "trocken" und der Störschall der Membranrückseite wird gebrochen.
Fertig:
Die erste Zusatzbox ist komplett: Speaker montiert, Schutzgitter angeschraubt.
Wo ist der Akkuschrauber?
Fullstack:
Eine Membranfläche von insgesamt 1558,5cm² mit guter Bodenankopplung und 1,40m
Gesamthöhe, ein Bassistentraum! Mal sehen, rein elektrisch betrachtet könnte man
ja noch eine...
Halfstack:
Hier wurde der Combo in die hinteren Sacklochbohrungen gestellt, also personal Monitoring
mit Hosenbeinflattern für kurze Distanzen.
News vom 21.07.2009
Durch etwas Glück bei Online-Auktionen bin ich zu neuen spanischen Chassis gekommen, hier die Datenblätter:
Beyma 12MW/Nd - zwei Stück als Ersatz für den Combo und eine Zusatzbox
Beyma POWER 12 Competition - einmal zur reinen Tiefbass-Erweiterung
Der Beyma 12MW/Nd vereint viele meiner Wunschvorstellungen in einem Chassis, das wäre ein (für
einen Instrumentenlautsprecher) glatter Frequenzgang mit weit hochreichender Höhenwiedergabe,
ordentlich Xmax, den Wirkungsgrad eines ernstzunehmenden PA-Chassis mit ausreichend Tiefgang ohne
Kubikmetergehäuse und der obligatorische Neodymantrieb für den besseren Schleppfaktor.
Der POWER 12 Competition ist ein 4Ohm-Chassis aus dem Car-Hifi-Programm und war zuerst nur ein
Experiment, da ich mit den drei 12"-Lautsprechern die 2Ohm-Stabilität des Verstärkers voll ausreizen
wollte. Er hat sich als unglaublich potente Tiefbass-Erweiterung bestätigt, da er aufgrund der 4Ohm
Impedanz die doppelte Leistung der 8Ohm Chassis erhält. Dies schiebt seinen geringeren SPL wieder ins
richtige Verhältnis zu den PA-Chassis, außerdem kann er diese Leistung auch ohne Probleme in Membranhub
umsetzen. Am Carvin-Combo ist er eigentlich etwas unterfordert. Ich denke, er würde sogar 1KW Sinusleistung
ohne Hubbegrenzung verarbeiten.
Subwoofer:
Hier der eingebaute Beyma POWER 12 Competition, das Gewicht dieser Zusatzbox ist jetzt natürlich
durch die alleinige Lautsprechermasse von 10kg nicht mehr so transportabel. Gut, das war ja nicht
gerade geplant. Ich denke der Lautsprecher könnte noch einen 6dB/Oktave-Tiefpass gebrauchen, damit
er nicht ganz so weit in den Mittenbereich spielt. Die Trennfrequenz sollte wohl um 200Hz liegen.
News vom 09.02.2010
Mini-Bassamps mit Class-D-Endstufe und Schaltnetzteil werden Standard - mir gefällt der Sound und die
Dynamik der PWM an den Lautsprechern. Ich will basteln... mehr Power!
B800 on steroids:
Das Class-D Endstufenmodul DIGIMOD 1500 von Powersoft passt perfekt! Die JFET-Stufen im Preamp
werden durch die DIGIMOD versorgt, die Arbeitspunkte wurden dazu etwas angepasst. Achja,
ich danke Carvin herzlichst für den Symmetrischen Output der Vorstufenplatine ;-)
Neue Leistung (EIAJ 1kHz, 1% THD):
2x 750W @ 4Ohm ; 2x 370W @ 8Ohm
Vor der Modifikation:
Flog alles raus: Ringkerntrafo (ziemlich wenig VA), Siebung und Endstufen-Baustein mit Kühlkörper.
Die Speakon-Lautsprecherausgänge mussten massefrei gemacht werden, die Platine an der Gehäuserückwand
wurde dazu einfach ausgefräst.
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